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Sagen
Zwischen Waldweg, Brücke, Burgwall und Dorfmitte liegen Geschichten, die in Naugarten weitergetragen werden.
Erzählungen
Nicht jede Wahrheit steht in einer Chronik.
Sagen erklären keinen Ort wie ein Grundbuch. Sie zeigen, wie Menschen Wege, Wälder, Brücken und alte Spuren erlebt haben: mit Vorsicht, Fantasie, Humor und manchmal mit echtem Herzklopfen.
Für Naugarten sind diese Erzählungen besonders nah an der Landschaft. Sie führen in den Gollmitzer Wald, zurück zur Boitzenburger Mühle, an die alten Burgwälle und schließlich mitten ins Dorf.
Auf einen Blick
- Gollmitzer Wald
- Ort der Mutter-Mölkasch-Sage
- 2007
- erste Figur in der Dorfmitte
- 2013
- Umsturz der alten Holzfigur
- 2014
- Einweihung der neuen Mutter Mölkasch
Mutter Mölkasch
Die Brücke im Gollmitzer Wald.
Nicht weit von Naugarten entfernt erzählt man sich die Sage von der Mutter-Mölkasch-Brücke. Dr. Joachim Benthin hat sie als Erinnerung an einen Wald festgehalten, der früher vielen Kindern und Jugendlichen unheimlich war.
Der Weg führte durch dichten Unterwuchs, über Wassergräben und an tiefen Fahrspuren entlang. Genau dort, an einer Brücke, soll Mutter Mölkasch um Mitternacht gewartet haben.
Der dunkle Weg
Der Gollmitzer Wald galt früher als unübersichtlich und dicht. Wer dort im Dunkeln unterwegs war, kannte Wassergräben, Schlammstellen und die eingeschnittenen Fahrspuren der alten Wagen.
Die Brücke
An einer der Brücken, über den zweiten Wassergraben, soll Mutter Mölkasch nachts ihr Unwesen getrieben haben. Sichtbar war sie nicht; spürbar wurde sie erst, wenn sie einem auf den Rücken sprang.
Der Schutz
Wer um Mitternacht durch den Wald musste, sollte zwischen den Wagenspuren gehen. So, erzählt die Sage, konnte Mutter Mölkasch dem nächtlichen Wanderer nichts anhaben.
Dorfzeichen
Aus einer Sage wird ein sichtbarer Ort.
Die Mutter Mölkasch steht in Naugarten nicht nur für eine unheimliche Erzählung. Sie erinnert auch daran, dass sich das Dorf seine Zeichen selbst schafft und erhält.
2007
Der Naturschutzbund “Uckermärkische Seen” schenkt dem Dorf- und Seeverein eine Mutter-Mölkasch-Figur als Anerkennung für die Arbeit am Naugartener See.
2013
Die ursprüngliche Holzfigur stürzt am 31. Mai durch fortgeschrittene Fäulnis um.
2014
Am 15. Juni wird eine neue Figur eingeweiht, getragen von Spenden aus dem Dorf und Förderung der Sparkasse Uckermark.
Alte Frick
Wenn die Mühle zu weit weg ist.
Eine der wenigen überlieferten Sagen, die Naugarten ausdrücklich nennen, führt in die Zeit des Mahlzwangs. Wer Korn mahlen lassen musste, fuhr zur Boitzenburger Mühle. Der Heimweg konnte lang werden, besonders nach Einbruch der Dunkelheit.
- 1
Ein Naugartener Bauer kommt spät von der Boitzenburger Mühle zurück.
- 2
In der Dunkelheit hört er ein Toben; die Alte Frick jagt mit ihren Hunden heran.
- 3
Der Bauer schüttet den Tieren Mehl hin und entkommt.
- 4
Am Morgen stehen die Säcke wieder dort, wo er sie zurücklassen musste, und sie sind gefüllt.
Burgwall und Lutki
Alte Wälle, kleine Wesen, neue Glocken.
Am östlichen Ortseingang erinnern Burgwall und Flurnamen an ältere Schichten des Ortes. In der Uckermark verbinden sich solche Plätze oft mit slawischen Erzählmotiven.
Wichtig ist die Unterscheidung: Für Naugarten wird hier keine einzelne Lutki-Sage behauptet. Die kleinen Wesen gehören zur regionalen Sagenwelt und helfen, den Burgwall als Erzählort zu verstehen.
Burgwälle
Hügel, Wälle und alte Befestigungen waren in der slawischen Sagenwelt typische Orte für verborgene Wesen, Schätze und Erinnerungen.
Lutki
Die kleinen Wesen des slawischen Volksglaubens werden in vielen Regionen mit Hügeln und Burgwällen verbunden. Für Naugarten ist das eine passende Erzählschicht, keine gesicherte einzelne Ortssage.
Glocken
Viele Überlieferungen erzählen, dass solche Wesen vor Kirchenglocken verschwinden. Wo Burgwall und Dorfkirche nah beieinander liegen, wird dieser Übergang besonders anschaulich.