
Entdecken / Geschichte
Von Novo Grad nach Naugarten
Unter dem heutigen Dorf liegen ältere Schichten: slawische Burgwälle, Urkunden, Wiederaufbau, neue Wohnorte und Geschichten, die geblieben sind.
Ortsgedächtnis
Wer Naugarten verstehen will, muss unter die Oberfläche schauen.
Zuerst sieht man Dorfmitte, Kirche, Wege und den See. Dann werden ältere Spuren sichtbar: Befestigungen am Wasser, Flurnamen wie Schanz und Burgwall, eine Urkunde von 1239 und die Geschichten von Menschen, die den Ort nach Brüchen wieder aufgebaut haben.
Darum geht es nicht um jede einzelne Jahreszahl, sondern um die Schichten, die Naugarten bis heute prägen: slawische Vorgeschichte, mittelalterliche Belege, Wiederaufbau, Waldeck und die Mutter Mölkasch als Figur in der Dorfmitte.
Zeitmarken
Vier Anker für die Geschichte des Ortes.
- 8.-10. Jh.
- Burgwall am See
- 1239
- Naugarten in der Urkunde
- 1713
- neue Kirche auf alten Fundamenten
- 1981 / 1995
- Waldeck wird Wohngebiet

Zum Weiterlesen
Chronik 775 Jahre Naugarten, 1239-2014
Joachim Benthin, Schibri-Verlag, 2014
Vor der Urkunde
Bevor Naugarten Naugarten hieß.
Lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung war die Gegend besiedelt. Die Ortschronik nennt slawische Stämme, die Ukranen oder möglicherweise die Retschanen. Archäologische Hinweise, Burgwälle und alte Namen zeigen, dass hier nicht erst im Mittelalter Geschichte beginnt.
Niederungsburg
Am östlichen Ortseingang lag zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert eine slawische Befestigungsanlage von über 100 Metern Durchmesser.
Schlossberg
Später entstand am Südufer des Sees eine kleinere Höhenburg. Sie gilt als wahrscheinlicher Bezugspunkt des Namens “Novo Grad”.
Flurnamen
Bezeichnungen wie Schanz, Ringwall und Burgwall halten diese ältere Schicht bis heute im Ortsgedächtnis.
1239 und danach
Eine Urkunde macht den Ort sichtbar.
Am 1. Januar 1239 taucht Naugarten in einer Urkunde auf. Genannt wird Liborius von Naugarten, ein Edler, im Zusammenhang mit einem Landverkauf. Ab da lässt sich der Ort schrittweise historisch greifen: im Landbuch, in der Kirchengeschichte, in der Chronik und in Erinnerungen aus dem Dorf.
1239
Der Name tritt in die Urkunde
Am 1. Januar 1239 wird im Zusammenhang mit einem Landverkauf der Edle Liborius von Naugarten genannt.
1375
Naugarten im Landbuch
Das Landbuch Kaiser Karls IV. erfasst den Ort als Teil der Mark Brandenburg und macht das mittelalterliche Dorf wirtschaftlich sichtbar.
1618-1648
Der große Bruch
Der Dreißigjährige Krieg trifft Naugarten schwer. Die mittelalterliche Feldsteinkirche wird zerstört, das Dorfleben bricht ein.
1713
Wiederaufbau auf alten Fundamenten
Die heutige Dorfkirche entsteht auf den Resten des Vorgängerbaus. Für Naugarten ist sie ein sichtbares Zeichen des Neuanfangs.
1875
Eine Orgel kommt ins Dorf
Barnim Grüneberg aus Stettin baut die Orgel. Die Geschichte der Kirche bleibt damit auch Klanggeschichte.
2001
Teil der Gemeinde Nordwestuckermark
Seit dem 1. November 2001 gehört Naugarten zur Gemeinde Nordwestuckermark.
Bruch und Wiederaufbau
Manches blieb nicht stehen. Der Ort aber schon.
Der Dreißigjährige Krieg zerstörte die mittelalterliche Feldsteinkirche. Für das Dorf bedeutete das mehr als den Verlust eines Gebäudes: Mittelpunkt, Erinnerung und kirchliches Leben mussten neu entstehen.
1713 wurde die heutige Dorfkirche auf den Fundamenten des älteren Baus errichtet. Später kamen Ausstattung, Orgel und viele Reparaturen hinzu. In der Dorfgeschichte steht die Kirche damit für einen Neuanfang, der nicht abstrakt blieb, sondern in Stein, Holz und Klang Gestalt annahm.
Waldeck
Aus Ferienhäusern wird ein Wohnort.
Zur neueren Geschichte gehört Waldeck. Das Wohngebiet begann 1981 als reine Ferienhaussiedlung und wurde 1995 zum Wohngebiet umgewidmet. Viele Menschen, die dort gebaut oder später übernommen haben, kamen aus der Uckermark, aus dem Berliner Raum oder aus anderen Orten dazu.
Stand 2026 umfasst Waldeck 20 Objekte, 14 davon sind ganzjährig bewohnt. Seit etwa 2005 ist ein deutlicher Generationenwechsel zu sehen. Wichtig ist dabei nicht nur die Zahl, sondern die Bewegung dahinter: Aus einem Randbereich ist ein Teil des Dorfes geworden, in dem Menschen bleiben, helfen und mitgestalten.
- 1981 als reine Ferienhaussiedlung entstanden
- 1995 zum Wohngebiet umgewidmet
- Stand 2026: 20 Objekte, davon 14 ganzjährig bewohnt
- seit etwa 2005 deutlicher Generationenwechsel
Mutter Mölkasch
Eine Sage wird zur Figur in der Dorfmitte.
Nicht weit von Naugarten erzählt man sich die Sage von der Mutter-Mölkasch- Brücke im Gollmitzer Wald. Dr. Joachim Benthin hat diese Erinnerung aufgeschrieben: eine Geschichte von dunklen Wegen, Wassergräben, Kinderfurcht und einer Gestalt, die nachts niemand sehen wollte.
In der Dorfmitte wurde aus der Sage eine Figur. Sie erinnert an alte Überlieferung, aber auch an sehr konkrete Dorfgeschichte: an die Arbeit für die Wasserqualität des Sees, an den Verlust der ersten Holzfigur und an die gemeinsame Entscheidung, sie neu entstehen zu lassen.
2007
Der Naturschutzbund “Uckermärkische Seen” schenkt dem Dorf- und Seeverein die erste Figur als Anerkennung für die Arbeit zur Wasserqualität des Sees.
2013
Am 31. Mai stürzt die ursprüngliche Figur durch fortgeschrittene Fäulnis um. Aus dem Verlust entsteht im Dorf schnell der Wunsch nach einer neuen Mutter Mölkasch.
2014
Am 15. Juni wird die neue Mutter Mölkasch an gleicher Stelle eingeweiht, finanziert durch Spenden aus dem Dorf und Förderung der Sparkasse Uckermark.